Future Value – Veranstaltungsprogramm

Die praxisorientierte Forschung des Instituts für Versicherungswirtschaft gliedert sich in zwei grundlegende Pfeiler: Die anwendungsorientierte Forschung in Kooperation mit Unternehmen der Assekuranz und Aktivitäten im Rahmen des «Future.Value»-Programms. Die nachfolgenden Seiten stellen abgeschlossene und laufende Projekte des vergangenen Jahres vor und geben Einblicke in die verschiedenen Veranstaltungen des Instituts für Versicherungswirtschaft.

I·VW Jahrestagung 2016 – Die andere Tagung

Die Jahrestagung 2016 des I·VW fand unter dem Motto «Versicherung im Widerspruch – Widersprüche der Versicherung» statt. Die Veranstaltung erstreckte sich erneut über zwei Tage und startete mit einem Vortagesworkshop im FIFA World Football Museum in Zürich. Die am nächsten Tag stattfindende Jahrestagung wurde in den Örtlichkeiten der Giesserei in Zürich-Oerlikon abgehalten.

Der Vortagesworkshop zielte darauf ab, konkrete Widersprüche im Rahmen einer audiovisuellen Gruppenarbeit näher zu beleuchten. Hierzu wurden die Teilnehmer in acht verschiedene Gruppen eingeteilt. Jeweils zwei Teams bearbeiteten vier Spannungsfelder («Online vs. Offline», «Transparenz vs. Datenschutz», «Nachhaltigkeit vs. Profitstreben» und «Konsum heute vs. Vorsorge für morgen») aus den gegensätzlichen Blickwinkeln. Aufgabe war es, durch Sequenzen aus spontan auf der Strasse durchgeführten Interviews ein zweiminütiges Video zusammenzustellen, das das jeweilige Meinungsbild der Befragten zusammenfassend widerspiegeln sollte. Im Anschluss folgten Gruppenpräsentationen und Repliken im Plenum. Zusätzlich hatten die Gruppen die Möglichkeit an einer Führung durch das FIFA World Museum teilzunehmen. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Apèro und Networking-Dinner. Dabei wurde Gelegenheit geboten, die Erkenntnisse des Workshops und andere Eindrücke des ersten Veranstaltungstages Revue passieren zu lassen.

Die Jahrestagung am darauffolgenden Tag startete mit einem Vortrag von Markus Hongler, CEO Mobiliar, der anhand des eigenen Unternehmens die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsplatzgestaltung erläuterte. Unter dem Arbeitstitel Work@Mobi machte sich der Versicherer vor einiger Zeit daran, die Arbeitsplätze völlig neu zu gestalten: Trennwände wurden entfernt, kleinteilige Büros zu grossen Einheiten zusammengelegt, Arbeitsplätze flexibilisiert und physische Dokumente konsequent digitalisiert. Anschliessend diskutierte Dr. Monika Sebold-Bender, Generali Deutschland, in ihrem Referat neueste Entwicklungen im Pricing, die durch Big Data und andere Technologien ermöglicht werden. Umfangreichere Datensätze, meist aggregierte Informationen aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Quellen, und neue Analysemethoden erlauben es, die Prämien an die zugrundliegende Risikoexponierung exakt anzupassen.

Im Anschluss wurden in drei Workshops einzelne Widersprüche der Versicherungswirtschaft vertieft behandelt und diskutiert. Im erste Workshop „Profitstreben vs. Gemeinwohl“, geleitet von Prof. Dr. Martin Eling, sollte von den Teilnehmern die Frage beantwortet werden, ob gewinnorientierte Aktiengesellschaften in der Sozialversicherung aktiv sein sollen und wenn ja, welche Spannungsfelder sich ergeben können. In einem weiteren Workshop, der von Prof. Dr. Peter Maas betreut wurde, erörterten die Teilnehmer die Frage, wie in einer digitalen Welt organisiert, gearbeitet und geführt werden soll. Prof. Dr. Hato Schmeiser stellte in seinem Workshop Überlegungen zu möglichen Effekten der Digitalisierung auf die Versicherungsindustrie an. Insbesondere wurden verschiede Formen des digitalen Monitorings via Apps und Wearables sowie Chancen und Risiken aus diesen Technologien für die Assekuranz beleuchtet.

Nach der Präsentation der Ergebnisse aus den Workshops stellten die drei Professoren Eling, Schmeiser und Maas aktuelle Themen aus ihren Forschungsgebieten vor. In seinem Vortrag «Global Protection Gap – relevante Risiken werden nicht versichert» ging Professor Eling auf drei weltweite Risiken ein, die entweder gar nicht oder nur unzureichend versichert werden. Als Beispiele nannte er: Katastrophenrisiken, Cyberrisiken sowie politische Risiken. Professor Schmeiser stellte dem Plenum seine Sichtweise zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Versicherungswirtschaft dar. Insbesondere kann ein verstärktes digitales Monitoring in Konflikt mit dem Grundkonzept der Assekuranz – der Herstellung eines Risikoausgleichs – stehen. Anhand von Beispielen entlang der Wertschöpfungskette zeigte Professor Maas Themen auf, über die im Zusammenhang mit der Zukunft der Versicherungswirtschaft nachgedacht werden muss – sowohl prozessual wie auch sozial.

Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte der Vortrag von Prof. Karel Van Hulle, der an der KU Leuven in Belgien sowie an der Goethe-Universität in Frankfurt lehrt und ehemals das Referat «Versicherungen und Altersvorsorge» der Europäischen Kommission leitete. Er warf die Frage auf, ob die Risikoübernahme überhaupt ex ante reguliert werden könnte, da die tatsächliche Schwere von Risiken häufig erst nach eingetretener Realisation offensichtlich wird. Dementsprechend wird der Markt nach einer Krise oft zu stark reguliert, während in Boom-Zeiten die Regulierung vernachlässigt beziehungsweise in Zeiten geringen Wachstums – zur Belebung der Konjunktur – reduziert wird.

Future Talks und Bericht

Future.Talk
Zukunft der Lebensversicherung

Die aktuelle Kapitalmarktlage, Veränderungen im Kundenverhalten und die damit verbundenen Herausforderungen stellen das derzeitige Geschäftsmodell der Lebensversicherungsbranche zunehmend vor schwierige Aufgaben. Zudem liefert das Niedrigzinsumfeld wenig Anreize zum Sparen. Welche Möglichkeiten ergeben sich für die Assekuranz auf der Produkt- und Serviceseite um neue Kunden zu gewinnen?

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Cyber Risk – Too big to insure?

Cyber Risk gewinnt fast täglich an Bedeutung, dennoch ist es in vielen Fällen wenig erforscht. Cyberversicherungsmärkte sind heute sehr klein und Probleme in der Versicherbarkeit behindern die Marktentwicklung. Manchen Marktteilnehmern zufolge braucht es für die Deckung von Cyber Risk Versicherungspoollösungen oder gar eines Eingreifen des Staates. Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass Cyber Risk «too big to insure» ist?

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Run-off 2016: Status quo und Bedeutung von Run-off im Versicherungsmarkt

Das Programm der Veranstaltungen bot verschiedene Sichtweisen auf die zukünftige Entwicklung des Run-off-Marktes. Sowohl die Perspektive eines auf Run-off spezialisierten Versicherers (DARAG Deutsche Versicherungs- und Rückversicherungs-AG), die Perspektive der Broker (Aon Benfield), der Run-off Markt aus dem Blickwinkel der Finanzmarktaufsicht (FINMA), als auch aus dem Standpunkt eines Erst- und Rückversicherers (Allianz Re) wurden anhand vielfältiger Vorträge dargelegt.

Denken sie noch in Kanälen oder erreichen Sie Ihre Kunden schon?

Das Niedrigzinsumfeld stellt eine der grössten Herausforderungen für den Lebensversicherungsmarkt dar. Die Studie analysiert in diesem Zusammenhang die optimale Festlegung des Garantiezinsniveaus aus Kundensicht.

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