Future Value – Veranstaltungsprogramm

Die praxisorientierte Forschung in Kooperation mit Unternehmen der Assekuranz stellt einen wichtigen Tätigkeitsbereich des I·VW dar. Neben der anwendungsorientierten Forschung nehmen hierbei insbesondere Aktivitäten im Rahmen des «Future.Value»-Programms eine gewichtige Rolle ein. Die folgende Seite gibt einen Einblick in abgeschlossene sowie aktuell laufende Projekte und hält Rückschau auf Veranstaltungen des vergangenen Jahres.

I·VW Jahrestagung 2015 – Die andere Tagung

Mit der Jahrestagung 2015 griff das I·VW das allgegenwärtige Thema «Digitalisierung» auf. Unter der Überschrift «Transparenz vs. Verlust der Privatsphäre? – Chancen und Gefahren der Digitalisierung in der Assekuranz» wurden auf der Autoteststrecke in Dübendorf sowie in den Räumen von IBM Schweiz in Zürich – entgegen der oftmals sehr einseitigen Lobrede auf die Digitalisierung – beide Seiten der Medaille bedacht. Dem Anspruch des I·VW entsprechend eine «andere Tagung» zu organisieren, wurde die Umsetzbarkeit der Digitalisierung nicht nur in Vorträgen dargestellt, sondern auch im Zuge eines Workshops «erfahrbar» gemacht.

So startete die Jahrestagung mit Testfahrten auf der Autostrecke des TCS-Centers «Drive Z» – eine Gelegenheit für alle Teilnehmer, Telematikinstrumente verschiedener Bauarten mit den eigenen Fahrzeugen zu erproben. Die anschliessende Auswertung der aufgezeichneten Fahrdaten erlaubte ein erstes Resümee, in welcher Form Daten einer digitalbasierten Technik in einer Versicherungslösung berücksichtigt werden könnten. Potenzial und Grenzen der Telematiktechnik wurden am nächsten Tag von Dr. Per-Johan Horgby, Vorstandsmitglied der VHV Versicherung, veranschaulicht und anhand des neuen Telematik-Tarifs der VHV im Detail diskutiert. Insbesondere konnte dabei auch auf den zusätzlichen Nutzen eingegangen werden, den diese Technik für die Versicherten bietet.

Dr. Andrea Cornelius, IBM Schweiz, leitete zunächst zentrale Erkenntnisse aus Umfragen zu den sich wandelnden Bedürfnissen der digital geschulten Kundschaft ab und wies auf die Chancen von Big Data und Data Analytics hin. Beispielsweise liesse sich IBM Watson, ein Computersystem, das bis dato vor allem Schachspielern und Jeopardy-Fans ein Begriff war, als allwissender digitaler Versicherungsvertreter einsetzen, der jegliche Kundenfragen innerhalb von Sekunden beantwortet. Neben diesem verheissungsvollen Versprechen der Digitalisierung ist jedoch auch die «dunkle Seite» der Digitalisierung zu erwähnen. Dieses Thema wurde von Prof. Dr. Martin Eling aufgegriffen, der angesichts der zunehmenden Anzahl von Cyberattacken die provokante These formulierte, ob das Internet nicht mit einem rechtsfreien Raum gleichzusetzen sei, in dem sich Unternehmen wie auch Privatpersonen weitgehend hilflos den Gefahren der Cyberkriminalität ausgesetzt sehen. Nachdrücklich unterstrichen wurde dies einerseits durch ein Simulationsspiel, in dem die Tagungsteilnehmer die Rolle eines Unternehmens, Versicherers beziehungsweise Hackers einnahmen, andererseits durch den Vortrag von Gunnar Porada, innoSec, der deutlich machte, wie leicht ein Sicherheitssystem, das eigentlich zum Schutz sensibler Bereiche im Internet gedacht ist, mit entsprechender Fachkenntnis umgangen werden kann.

Sowohl positive wie auch negative Auswirkungen beobachtbarer und absehbarer Trends der Digitalisierung einte der Workshop unter der Leitung von Prof. Dr. Hato Schmeiser und Dr. Michael Zellner, Capgemini Consulting, der sich mit digitalen Ökosystemen in der Motorfahrzeug- und Krankenversicherung befasste. Ähnlich abwägend präsentierte Prof. Dr. Peter Maas Erkenntnisse zu einer sich verstärkenden Industrialisierung von Arbeitsprozessen innerhalb der Assekuranz, um gleichzeitig auf einen Kunden hinzuweisen, der im omnipräsenten Hype der Digitalisierung droht, aus dem Fokus der Versicherer zu geraten. Dieser sogenannte Offliner war zugleich Mittelpunkt eines weiteren Workshops, in dem diskutiert wurde, ob die Digitalisierung in der Tat ein neues Kundesegment schaffen wird, das digitale Angebote strikt ablehnt.

Prof. Dr. Harald Welzer schloss mit seinem Vortrag die I·VW-Jahrestagung 2015. Der Soziologe, der unter anderem an der Universität St. Gallen als Gastprofessor doziert und auch als Buchautor hohes Ansehen geniesst, sieht in der Digitalisierung eine drohende Selbstentmündigung der Menschen, frei und autonom zu entscheiden. Selbstfahrende Autos mögen Annehmlichkeiten sein, die das Leben bequemer machen, lösen jedoch nach Welzers Worten lediglich triviale Probleme des Menschen. Gleichwohl setzen sie ihn in eine maschinelle Abhängigkeit; gepaart mit einer der Digitalisierung inhärenten Transparenz mündet dies in eine Entwicklung, die Welzers Meinung nach mit unserem eigentlichen Verständnis von Freiheit und Demokratie nicht mehr zu vereinbaren ist und so – bedingt durch das Auflösen der Privatsphäre – einen Nährboden für totalitäre Strukturen bietet.

Future Talks und Bericht

Future.Talk
Industrialisierung der Assekuranz in einer digitalen Welt

Die zunehmende Digitalisierung führt zu einer gänzlich neuen Ausgangssituation, in der sich die Assekuranz neu orientieren muss. Im Wettbewerb werden die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, zu einem erfolgsentscheidenden Faktor.

Future.Talk
Versicherungspricing – steht uns eine Revolution bevor?

Das Versicherungspricing ist traditionell stark kostenbasiert. Andere Branchen dagegen orientieren sich in erster Linie an der Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden. Im Future.Talk 3/2015 standen die folgenden Fragen im Mittelpunkt: Woher kommen die unterschiedlichen Vorgehensweisen? Stellt das tradierte kostenorientierte Versicherungspricing ein Auslaufmodell dar? Was weiss die Assekuranz über die Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden?  

Future.Talk
Insurance-Linked Securities: Trends, Challenges and New Market Opportunities

Insurance-linked securities, financial instruments of a relatively new asset class whose returns are directly linked to insurance risk, are receiving increased attention from institutional investors in recent times. What are the main challenges and opportunities related to investing in ILS from the perspectives of regulators, investors and insurance companies?

Bericht über die Studie «Maximierung des Kundennutzens: Wie sollten Lebensversicherer den Garantiezins wählen?»

Das Niedrigzinsumfeld stellt eine der grössten Herausforderungen für den Lebensversicherungsmarkt dar. Die Studie analysiert in diesem Zusammenhang die optimale Festlegung des Garantiezinsniveaus aus Kundensicht.

Bericht über die Studie «Konsumentenschutz aus Kundensicht: Eine empirische Studie im Schweizer Versicherungsmarkt»

Die aktuellen politischen Diskussionen beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, wie Konsumenten im Versicherungsbereich wirksam und effizient geschützt werden können. Die Studie greift dieses Thema auf und gibt die Sicht der Konsumenten wieder.

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